Interview: Beste Arbeitgeber Frauen 2025

In unserem neuesten Interview geben Einblicke in die Arbeitswelt bei der AWO Pfalz – einem Unternehmen, das sich durch besonderes Engagement für Chancengleichheit und ein unterstützendes Arbeitsumfeld für Frauen auszeichnet.

Erfahren Sie, wie die AWO Pfalz Vielfalt fördert, Vereinbarkeit von Familie und Beruf lebt und was sie zu einem attraktiven Arbeitgeber für Frauen macht.


Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Pfalz e.V.

Susanne Becker, Vorstand

1. Warum ist Ihr Unternehmen ein ausgezeichneter Arbeitgeber für Frauen?

Als Organisation, die von einer alleinerziehenden Mutter gegründet wurde, liegt uns die Unterstützung von Frauen besonders am Herzen. Mit einer Frauenquote von 83,5 Prozent beschäftigen wir überwiegend Mitarbeitende des weiblichen Geschlechts.

Unsere flexiblen Arbeitszeitmodelle passen sich an die verschiedenen Lebensphasen unserer Mitarbeitenden an. Mit einem Kinderbetreuungszuschuss von bis zu 250 € monatlich pro Kind bis zum 10. Lebensjahr schaffen wir echte Entlastung und ermöglichen eine frühere Rückkehr aus der Elternzeit.

Auch für pflegende Angehörige haben wir Lösungen entwickelt: Über unser Zeitwertkonto können zusätzliche Pflegezeiten genommen werden – ganz ohne finanzielle Einbußen.

Faire Entlohnung ist für uns selbstverständlich. Beim Thema Gehalt haben wir in den vergangenen Jahren richtig Gas gegeben. Innerhalb der letzten vier Jahre sind unsere Tabellenentgelte um 33 Prozent angehoben worden. Für kurzfristige Dienstübernahmen gibt es zusätzliche Prämien – eine Maßnahme, die direkt aus den Wünschen unserer Belegschaft entstanden ist.

Eine wertschätzende Führungskultur prägt unser tägliches Miteinander. Durch unsere regelmäßige Teilnahme bei Great Place To Work® erhalten wir kontinuierliches Feedback, das wir gemeinsam im Team bearbeiten. Neue Führungskräfte begleiten wir intensiv bei ihrem Einstieg und sorgen so für einen nahtlosen Übergang.

Wertschätzung zeigt sich bei uns in unzähligen kleinen und großen Gesten. Von Mitarbeiterfesten und Betriebsausflügen über persönliche Gespräche und Geburtstagsgrüße bis hin zu kleinen Aufmerksamkeiten wie Eisgutscheinen oder Weihnachtspräsenten – diese vielen liebevollen Details schaffen eine Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen und gerne arbeiten.

2. Welche konkreten Programme hat Ihr Unternehmen umgesetzt, um die Aufstiegschancen von Frauen in Führungspositionen zu stärken?

Mit dem hohen Anteil an Frauen geht es vor allem darum, den Frauen die Wahrnehmung dieser Positionen zu ermöglichen. Die Sicherheit, dass ich mein Privatleben regeln kann auch wenn ich in Führung gehe ist sehr wichtig.
Führungspositionen sind jedoch bei uns oft sogar flexibler in der Arbeitszeit als andere Jobs. Ein hoher Anteil unserer Führungskräfte ist bei uns in Führung gegangen. Fünf von sieben Einrichtungsleitungen in unseren stationären Einrichtungen haben wir in diese Position entwickelt.

Wir fördern die dafür nötigen Weiterbildungen. In jährlichen Kompetenzkompass-Gesprächen sprechen wir über die Eigen- und Fremdwahrnehmung von Kompetenzen. Wir sprechen im Jahresgespräch dann über Entwicklungsmöglichkeiten und die Möglichkeiten von Förderung. Gerade wenn es um Frauen geht, geht es um die Frage, in wie weit Weiterbildungen neben dem Job möglich sind oder wo wir freistellen können.

Ein weiteres Thema ist Führung in Teilzeit. Viele Menschen sind immer noch der Meinung, dass Führung automatisch einen Vollzeitjob bedeutet und das Verantwortung übernehmen in der Pflege immer heißt, ständig erreichbar sein zu müssen. Wir möchten hier andere Konzepte entwickeln. Neben klaren Strukturen und der Verteilung von Aufgaben und Zuständigkeiten muss sich auch das Unternehmen auf Teilzeitführungskräfte einstellen.

Um diesem Bedarf nachzukommen führt die AWO Pfalz gemeinsam mit der AWO Rheinland ein ESF gefördertes Projekt zum Thema Führung in Teilzeit durch. Es betrifft überwiegend Frauen, die bei Beförderungen benachteiligt oder gehemmt sind, weil sie keinen vollen Stellenanteil zur Verfügung stellen können. Hier werden Führungskräfte direkt begleitet. Ergebnisse aus dem Projekt beeinflussen auch das Tagesgeschäft. Beispielsweise können wir keine Sitzungen über ganze Tage planen, wenn das bedeutet, dass eine Teilzeitkraft hierfür mit Anfahrt schon ihre halbe Wochenarbeitszeit aufwenden muss. Oftmals für Inhalte, die sie nur teilweise betreffen. Dies hat z.B. dazu geführt, dass wir unsere gesamte Sitzungsstruktur überarbeitet haben.

3. Wie gestaltet Ihr Unternehmen den Wiedereinstieg von Frauen nach der Elternzeit?

Die AWO Pfalz fördert den Einstieg von Frauen nach der Elternzeit. Zum einen ist eine Teilzeittätigkeit möglich (wir haben fast jedes Arbeitszeitmodell, das man sich vorstellen kann). Zum anderen bezahlt die AWO für die Betreuung von Kindern bis 10 Jahren Betreuungskosten bis zu 250 Euro pro Kind und Monat. Gemeinsam mit den Teams können wir für Frauen mit Betreuungszeiten andere Dienstzeiten anbieten, was in der Pflege eine echte Herausforderung darstellt. Durch die verschiedenen Einrichtungen im Verband haben Frauen nach der Elternzeit auch die Möglichkeit den Bereich oder die Einrichtung zu wechseln.

Die Anforderungen der Frauen sind dabei sehr verschieden. Manche arbeiten nur noch in der Nacht. Andere benötigen Arbeitszeiten während der Kita Öffnungszeiten. Da sich vieles in der Pflege rasant ändert, ist nach der Elternzeit zunächst eine Einarbeitung vorgesehen. Auch unser digitales Fortbildungstool unterstützt Frauen dabei, sich Wissen notfalls auch zuhause auf der Couch anzueignen, wenn das Kind schläft. Das bringt viel Flexibilität und die Arbeitszeit wir später gutgeschrieben.

Zum Thema Resilienz und Stressprävention gibt es spezielle Schulungsangebote durch die AWO Akademie, die sehr gut ankommen. Gerade in der Familienphase wird Stress oft auf die Arbeit übertragen. Frauen bekommen zu wenig Schlaf, haben wenig Struktur und das Gefühl keiner „Baustelle“ gerecht werden zu können. Für unseren Part stellen wir die maximale Struktur und geben Sicherheit. Sollten private Probleme zu viel werden gibt es bei uns kostenlose psychologische oder soziale Beratung. Bei unserem Gesundheitstelefon erhalten Mitarbeitende hierzu innerhalb eines Tages einen Termin bei einem Experten.

4. Wie geht Ihr Unternehmen mit unbewussten Vorurteilen (Unconscious Bias) im Recruiting und bei Beförderungen um?

Dadurch, dass die Pflege ein Arbeitsfeld ist, das sehr viele Frauen beschäftigt, stellt sich die Frage der Vorurteile bei uns nicht. Der überwiegende Teil unserer Beschäftigten ist weiblich – gleiches gilt für die Führungskräfte, die einstellen. Die Herausforderungen dieser Beschäftigtengruppe sind unser Tagesgeschäft und keine Ausnahme.

Es ist wichtig, dass beide Seiten ihre Anforderungen offen kommunizieren und klare Vereinbarungen treffen. Hierzu ermutigen wir unsere Führungskräfte ständig.

Viele der Leitungskräfte sind selbst Mütter mit kleinen Kindern – mich eingeschlossen oder pflegen Angehörige. Wir gehen damit maximal transparent um. Klar muss bei uns auch gearbeitet werden, aber es findet sich immer eine Lösung für Kollisionen zwischen Privatleben und Arbeit.

5. Welche Maßnahmen hat Ihr Unternehmen zur Förderung der Frauengesundheit etabliert?

Frauengesundheit umfasst ein breites Themenfeld. Wir haben ein großes Angebot zum Thema Gesundheitsförderung, welches auch Angebote speziell für Frauen beinhaltet.
Unterstützung für Frauen ist heute längst nicht mehr damit getan Hygieneartikel auf der Toilette zur Verfügung zu stellen. Das sollte sich von selbst verstehen. Wir haben unsere Mitarbeiterinnen gefragt und bieten seit einigen Jahren über Wellhub, ein breites Spektrum an Angeboten speziell für Frauen. Wellhub bietet günstige Abos für Fitness, Achtsamkeit, Therapie, Ernährung und Schlaf. Die AWO bezahlt dabei das Basispaket komplett, sodass viele Angebote für unsere Mitarbeiterinnen kostenlos zur Verfügung stehen. Die App bietet eine Komplettlösung mit Zugang zu Fitnesseinrichtungen an jedem Ort, Apps für mentales Wohlbefinden, Ernährungs-Apps, Apps für Meditation, Schlaf und gesunde Gewohnheiten, Live-Kurse, virtuelles Personal Training und individuelles Coaching und Workouts. Dabei bleiben die Mitarbeiterinnen flexibel – auch wenn Sie Pakete buchen. Jeden Monat kann das Abo individuell verändert und angepasst werden. Außerdem können bis zu drei Freunde oder Familienmitglieder ebenfalls die günstigen Konditionen nutzen – das spart Geld für die ganze Familie. Jede Frau kann ganz individuell entscheiden, welche Angebote sie nutzt. Für Frauengesundheit ist die Stressregulation super wichtig. Ob mir hier Sport, eine Massage, der Besuch in einer Therme oder Salzgrotte, Meditation oder ein Gespräch helfen – das kann jede Frau selbst entscheiden.
Am Arbeitsplatz selbst stellen wir eine Physiotherapeutin zur Verfügung. Sie ist mobil in unseren Einrichtungen unterwegs und bietet neben Massagen auch Behandlungen an, um bei akuten Beschwerden Abhilfe zu leisten oder einfach mal 30 Minuten auf der Liege zu relaxen. Das war mit eine unserer ersten Maßnahmen bei Great Place to Work und sie zählt immer noch zu den beliebtesten.

Frauen in den Wechseljahren leiden oft stärker unter Hitzewallungen und Schweißausbrüchen im Sommer, da die Hitze die Symptome verstärken kann. Wir stellen im Sommer spezielle kühlende Tücher, bringen Eis oder Melone auf die Bereiche und sorgen dafür, dass die Lieblingsgetränke der Mitarbeiterinnen kostenfrei bereitstehen. Außerdem waschen wir die Dienstkleidung, sodass dem Badeseebesuch nach Feierabend nichts mehr im Wege steht.

Über Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Pfalz e.V.

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