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Attestpflicht ab dem 1. Tag? Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Attestpflicht ab Tag 1? Mann sitzt mit Decke, Schal und Fieberthermometer auf der Couch und blickt hilfesuchend in die Kamera. Auf seinem Schoss liegt sein Laptop.

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Miriam Johann

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Die Bundesregierung diskutiert aktuell eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag. Während viele Beschäftigte zusätzliche Bürokratie und ein Signal des Misstrauens befürchten, stehen Arbeitgeber angesichts hoher Krankenstände vor erheblichen Herausforderungen bei Planung und Personaleinsatz, insbesondere in Branchen wie Handwerk, Pflege oder Produktion. So nachvollziehbar die Debatte über strengere Nachweispflichten ist: Sie richtet den Blick vor allem auf das Symptom „Fehlzeit“. Nachhaltiger ist der Blick auf die Ursachen, denn Aspekte wie Arbeitsbelastung, fehlende bedürfnisorientierte Gesundheitsangebote, mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten oder dauerhafter Stress haben einen entscheidenden Einfluss auf die langfristige Mitarbeitergesundheit und die Leistungsfähigkeit. In diesem Beitrag lesen Sie, wie sehr gute Arbeitgeber den Krankenstand reduzieren, wieso Lernen und gesundes Arbeiten Hand in Hand gehen und weshalb sich Investitionen in Mitarbeitergesundheit auch wirtschaftlich auszahlen.

Krankenstand reduzieren heißt Ursachen verstehen

Krankenstände sind in der Regel kein isoliertes Phänomen, sie entstehen durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren. Ein wirksames Abwesenheitsmanagement beginnt deshalb nicht erst bei der Krankmeldung, sondern bei den Rahmenbedingungen von Arbeit. Gesundheit wird durch vielfältige Faktoren wie Arbeitsbelastung, soziale Beziehungen, Handlungsspielräume und das Erleben von Wertschätzung beeinflusst.

Wenn Gesundheit mehr ist als die Abwesenheit von Krankheit, lautet das Zauberwort „Prävention“ – und genau jetzt lohnt es sich, die eigene Perspektive zu erweitern: Wer Krankenstände langfristig reduzieren möchte, sollte nicht ausschließlich auf Krankmeldungen schauen, sondern auf die Bedingungen, unter denen Menschen arbeiten.

Abwesenheitsmanagement: Was ausgezeichnete Arbeitgeber anders machen

Von Great Place To Work® ausgezeichnete Arbeitgeber verfolgen häufig einen ganzheitlichen Ansatz in Sachen Mitarbeitergesundheit und Abwesenheitsmanagement. Gesundheit wird nicht ausschließlich als Aufgabe des betrieblichen Gesundheitsmanagements verstanden, sondern als Teil der Unternehmenskultur, und damit auch als Ausdruck einer Vertrauenskultur im Unternehmen.

So unterstützen beispielsweise Gesundheitslots*innen und Mental Health First Aider Kolleg*innen dabei, Belastungen frühzeitig zu erkennen und passende Hilfsangebote zu finden.

Flexible Arbeitszeitmodelle und partizipative Dienstplanung helfen dabei, berufliche und private Anforderungen besser miteinander zu vereinbaren und Doppelbelastungen abzubauen.

In Bereichen mit hoher Personalabhängigkeit sorgen Springerpools mit attraktiven Rahmenbedingungen (z. B. 90 % Arbeitszeit für 100 % Lohn) dafür, kurzfristige Ausfälle abzufedern und die Belastung der Teams zu reduzieren, indem spontane Einsätze aus dem Frei reduziert werden.

Ergänzend ermöglichen digitale Gesundheitsplattformen einen unkomplizierten Zugang zu Coaching, Achtsamkeitsangeboten und mentaler Unterstützung.

Besonders spannend sind auch zielgruppengerichtete Gesundheitsangebote, wie beispielsweise die Begleitung von Frauen bei Schwangerschaften, vor dem Eintritt in die Menopause oder bei zyklusbedingten Erkrankungen.

Ebenso wichtig ist der Umgang mit Mitarbeitenden, die häufiger krankheitsbedingt ausfallen. Fürsorgegespräche zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden ab einer bestimmten Anzahl von Krankheitstagen legen den Fokus auf die Frage, wie Belastung reduziert und Gesundheit gezielt gefördert werden kann, etwa durch eine Anpassung von Arbeitslast, Prioritäten oder Arbeitsorganisation. So können Unternehmen Stress am Arbeitsplatz reduzieren, ohne pauschal auf Kontrolle zu setzen.

Lebenslanges Lernen als Beitrag zu gesundem Arbeiten

Bemerkenswert ist dabei: Die erfolgreichsten Arbeitgeber denken Gesundheit nicht nur kurzfristig, sondern über gesamte Erwerbsbiografien hinweg.

Eine Dachdeckerin oder ein Krankenpfleger werden beispielsweise kaum vier Jahrzehnte lang gesund arbeiten können, wenn sie kontinuierlich körperlich belastende Tätigkeit ausüben. Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden langfristig gesund und leistungsfähig halten möchten, investieren deshalb gezielt in Weiterbildung und Entwicklungsperspektiven.

Entwicklungsprogramme für Beschäftigte ab 50 oder 60 Jahren helfen zum Beispiel dabei, Kompetenzen und Perspektiven für die kommenden Berufsjahre zu reflektieren, neue Rollen zu erschließen und Wissen gezielt weiterzugeben. Ergänzend schaffen zusätzliche Urlaubstage Freiräume für Erholung und tragen dazu bei, die Beschäftigungsfähigkeit langfristig zu erhalten.

Der Great Place To Work® Effekt: Mitarbeitergesundheit rechnet sich wirtschaftlich

Eine gesunde Arbeitsplatzkultur wirkt sich nicht nur auf das Wohlbefinden von Mitarbeitenden aus, sie hat auch messbare wirtschaftliche Effekte.

Der Great Place To Work® Effekt und die sogenannten 5R – Resilience, Retention, Recognition, Revenue und Reputation – machen deutlich, dass gesunde Arbeitsplatzkulturen zu mehr Widerstandskraft, höherer Bindung, stärkerer Wertschätzung, besserer Performance und einer attraktiveren Arbeitgebermarke beitragen. Wer Mitarbeitergesundheit systematisch stärkt, kann damit nicht nur Fehlzeiten senken, sondern auch die eigene Zukunftsfähigkeit verbessern.

Diese Effekte spiegeln sich in den Ergebnissen unserer Studie zu Deutschlands Besten Arbeitgebern 2026 wider. Im Vergleich zum deutschen Durchschnitt weisen hier ausgezeichnete Arbeitgeber unter anderem:

  • einen Krankenstand von lediglich 4 % gegenüber 6,8 % im deutschen Durchschnitt,
  • rund 30 % mehr Umsatz pro Kopf,
  • und eine höhere Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterbindung aus.

Mangelnde Prävention kann hohe Kosten verursachen, insbesondere durch krankheitsbedinge Abwesenheiten. Unsere Studie zeigt ebenfalls, dass Unternehmen mit einer sehr guten Arbeitsplatzkultur ihre durch Krankentage verursachten Kosten im Schnitt um 10 % senken können.

Vertrauenskultur im Unternehmen schlägt reine Kontrolle

Dass es aktuell überhaupt eine Diskussion um die Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag gibt, zeigt deutlich, wie groß der Handlungsdruck beim Thema Krankenstand ist. Der Wunsch nach mehr Planbarkeit und Verlässlichkeit von Arbeitgebern ist nachvollziehbar. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob die Attestpflicht den gewünschten Effekt erzielen wird.

Unsere Daten sowie vielfältige Erfahrungsberichte ausgezeichneter Arbeitgeber zeigen deutlich, dass nachhaltige Verbesserungen vor allem dort entstehen, wo Ursachen statt Symptome in den Blick genommen werden.

Gute Führung, Entwicklungsmöglichkeiten, gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen und eine von Vertrauen geprägte Kultur leisten einen entscheidenden Beitrag dazu, Mitarbeitende langfristig gesund und leistungsfähig zu halten. Und wer gesunde und leistungsfähige Mitarbeitende hat, sichert sich entscheidende Wettbewerbsvorteile.

Gesunde Unternehmenskultur beginnt mit den richtigen Erkenntnissen. Eine Mitarbeiterbefragung liefert die Daten, um Ursachen für Fehlzeiten zu erkennen und gezielt anzugehen

FAQ – zum Thema

Wie hilft Great Place To Work® dabei, Krankenstände zu reduzieren?

Great Place To Work® unterstützt Unternehmen dabei, die Ursachen von Belastungen und Fehlzeiten zu erkennen und aufzulösen. Mit der „Gesund Arbeiten“ Befragung können Unternehmen erfassen, welche Ressourcen und Belastungsfaktoren die Mitarbeitergesundheit in verschiedenen Positionen und Arbeitsbereichen konkret beeinflussen. Daraus lassen sich konkrete Maßnahmen ableiten, um Gesundheit individuell zu fördern, Belastungen zu reduzieren und Krankenstände langfristig zu senken.

Warum ist Vertrauen oft wirksamer als Kontrolle?

Kontrolle kann zwar kurzfristig Sicherheit vermitteln, löst aber selten die Ursachen von Fehlzeiten. Vertrauen hingegen schafft die Basis, auf der Mitarbeitende offen über Belastungen sprechen, Führungskräfte frühzeitig unterstützen können und gemeinsame Lösungen entstehen. Eine vertrauensvolle Kultur stärkt die Eigenverantwortung, das Zugehörigkeitsgefühl und die wahrgenommene psychologische Sicherheit. Die Wirkung ist damit deutlich nachhaltiger als bei reinen Nachweispflichten.

Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur für den Krankenstand?

Die Unternehmenskultur beeinflusst, wie Menschen arbeiten, führen, zusammenarbeiten und mit Belastung umgehen. Eine gute Kultur kann dazu beitragen, Stress am Arbeitsplatz zu reduzieren, Überlastung früher sichtbar zu machen und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen zu schaffen. Dadurch lassen sich Krankenstände nicht automatisch vermeiden, aber ihre Ursachen können gezielter bearbeitet werden.

Was ist eine Vertrauenskultur im Unternehmen?

Eine Vertrauenskultur im Unternehmen bedeutet, dass Mitarbeitende ernst genommen werden, offen kommunizieren können und Führung nicht primär über Kontrolle funktioniert. Sie zeigt sich zum Beispiel in fairer Kommunikation, transparenter Entscheidungsfindung, Handlungsspielräumen und einem konstruktiven Umgang mit Belastungen oder Fehlzeiten.

Wie kann ich die Mitarbeitergesundheit fördern?

Mitarbeitergesundheit lässt sich gezielt fördern, indem Belastungen systematisch erfasst, Führungskräfte sensibilisiert und bedürfnisorientierte Präventionsangebote gemacht werden. Dazu gehören zum Beispiel flexible Arbeitsmodelle, realistische Arbeitslasten, mentale Unterstützungsangebote, Gesundheitslots*innen oder Ersthelfer für psychische Gesundheit, Weiterentwicklungsmöglichkeiten und regelmäßige Gespräche über Belastung und Ressourcen. Entscheidend ist, Gesundheit nicht als Einzelmaßnahme, sondern als Teil der Arbeitsplatzkultur zu verstehen.

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