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Sicher ist
In den nächsten Jahren werden die Baby-Boomer-Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden und damit wird eine massive Fachkräftelücke entstehen. Rein altersbedingt werden wegen durch das Erreichen des Rentenalters bis zum Jahre 2030 rund 6,1 Millionen Beschäftigte – davon sehr viele Fachkräfte – aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden.
Welche Potenziale können in dieser Lage mobilisiert werden? Von 2000 bis 2010 ist die Erwerbsquote von Frauen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren in Deutschland bereits von 63 Prozent auf 72 Prozent gestiegen. Die deutsche Frauenerwerbsquote liegt damit deutlich über dem europäischen Durchschnitt (EU-27: 65 Prozent). Dennoch gibt es bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen noch Potenzial. Hier ist insbesondere die hohe Teilzeitquote in Deutschland mit niedriger Stundenanzahl zu nennen. Gelingt es, die Rückkehr von Frauen nach Geburt und Mutterschutz und kürzeren Erziehungszeiten an den Arbeitsplatz zu beschleunigen und die Vollzeitpotenziale auszubauen, hat dies ebenso positive Folgen wie die Erhöhung des Stundenkontingents der Teilzeitarbeit.
Qualifizierte Zuwanderung ist eine zusätzliche Option, um das Potenzial an Erwerbstätigen zu erhöhen. Derzeit erleben wir eine nicht gesteuerte, hohe Zuwanderung und können nach den Schätzungen der Arbeitsagenturen davon ausgehen, dass wir 10-15 Prozent qualifizierte Fachkräfte gewinnen werden. Kurzfristige Entlastungen sind durch die Zuwanderung jedoch nicht zu erwarten. Im Übrigen benötigen wir ca. 500 000 Zuwanderer jedes Jahr, um die altersbedingten Abgänge in die Rente zu egalisieren.
Was können Unternehmen tun, um produktiv zu bleiben? Im Zentrum stehen zum einen langfristig wirkende Maßnahmen zur Steigerung der Kompetenzen aller Beschäftigten und betriebliche Qualifizierung auch für Mitarbeitende älter als 50 Jahre. Die Erwerbstätigenquote der 60- bis 64-Jährigen hat sich in Deutschland binnen eines Jahrzehnts von 21 auf 44 Prozent mehr als verdoppelt. Für die Beschäftigungsfähigkeit Älterer sind Gesundheit, Kompetenz und Motivation wichtige Voraussetzungen. So hat zum Beispiel die Firma Janssen-Cilag ein Projekt „Silverpreneure“ entwickelt. Beschäftigte im Alter über 50 Jahre werden gezielt in Projekte berufen, die für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens wichtig sind. Die Botschaft nach innen ins Unternehmen ist klar: Ältere Kolleginnen und Kollegen werden als Wissensträger geschätzt, gleichzeitig traut man ihnen das Innovationspotenzial für Neuerungen zu.
Um die Fähigkeiten der Beschäftigten länger nutzen zu können, müssen die Unternehmen flexible Arbeitszeitsysteme mit Langzeitkonten installieren. Die Beschäftigten können so Zeit ansparen und erhalten die Möglichkeit, etwa für drei bis sechs Monate auszusteigen, um Angehörige zu pflegen oder sich weiterzubilden, oder sie können ihre Arbeitszeit zu Erholungszwecken befristet reduzieren. Diese Arbeitszeitmodelle werden nicht nur von Konzernen, sondern mittlerweile auch von mittelständischen Unternehmen wie dem Produzenten von Lasermaschinen Trumpf oder dem Sensorhersteller SICK angeboten, aber auch Pflegeeinrichtungen wie die Sozialholding Mönchengladbach bieten ihren Beschäftigten diese attraktiven Möglichkeiten an.
Eine große Herausforderung für die Arbeitgeber ist auch das betriebliche Gesundheitsmanagement: Dabei geht es um die Förderung der individuellen Gesundheit über Sportangebote, gesunde Ernährung und Ergonomieberatung.
Entscheidend wird indes die Verbesserung der organisatorischen Rahmenbedingungen sein: Die Beschäftigten sollten ihre Arbeitsprozesse stärker mitgestalten und ihre Handlungsspielräume erweitern können. Wichtig ist insbesondere die Verbesserung der Führungskultur und der Führungskräfteentwicklung, sind doch 60 Prozent der psychischen Erkrankungen der Arbeitnehmer auf schlechte Führung zurückzuführen (siehe Fehlzeitenreport der Betriebskrankenkassen). Folgerichtig experimentieren Unternehmen wie Vaude (Outdoorausrüster ) oder Umantis (Software) mit Modellen der Führung auf Zeit – oder sie lassen die Belegschaft ihre Führungskräfte wählen.
Fazit
Die demografischen Entwicklungen führen zu erheblichen Anforderungen an die Unternehmensorganisation und Personalpolitik. Betriebliches Handeln muss in der Personalpolitik variantenreicher werden Attraktivität der Arbeitgeber erhöhen, um die individuellen Zielvorstellungen der Mitarbeitenden und das Unternehmensinteresse miteinander zu verbinden. Nur dann werden Arbeitgeber als Gewinner des demografischen Wandels bestehen.
Durch den demografischen Wandel scheiden in den kommenden Jahren viele Beschäftigte altersbedingt aus dem Erwerbsleben aus, insbesondere aus den geburtenstarken Jahrgängen. Gleichzeitig rücken deutlich weniger junge Menschen nach, wodurch sich das Arbeitskräfteangebot weiter verringert. Dieser Effekt verstärkt den bestehenden Fachkräftemangel spürbar. Für Unternehmen wird es dadurch immer schwieriger, offene Stellen langfristig zu besetzen. Great Place to Work macht deutlich, dass Arbeitgeber neue Wege finden müssen, um attraktiv zu bleiben.
Qualifizierte Zuwanderung kann einen Beitrag leisten, gleicht die demografischen Effekte jedoch nicht vollständig aus. Sprachliche, kulturelle und bürokratische Hürden verzögern häufig die Integration in den Arbeitsmarkt. Zudem ist der internationale Wettbewerb um Fachkräfte hoch. Unternehmen müssen deshalb weitere Potenziale im Inland erschließen. Great Place to Work unterstreicht damit die Notwendigkeit ganzheitlicher Strategien.
Ältere Beschäftigte stellen eine wichtige Ressource dar, da ihre Erwerbsbeteiligung in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist. Durch gezielte Weiterbildungsangebote können ihre Kompetenzen weiterhin genutzt und ausgebaut werden. Flexible Arbeitsmodelle erleichtern es, länger im Berufsleben zu bleiben. Gleichzeitig profitieren Unternehmen von Erfahrung und Wissenstransfer. Great Place to Work zeigt, dass altersgerechte Arbeitsbedingungen ein zentraler Erfolgsfaktor sind.
Viele Frauen arbeiten trotz hoher Qualifikation in Teilzeit, häufig aufgrund fehlender Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Flexible Arbeitszeiten und verlässliche Betreuungsangebote können dazu beitragen, dieses Potenzial besser auszuschöpfen. Auch eine faire Aufgaben- und Rollenverteilung im Unternehmen spielt eine wichtige Rolle. Dadurch lässt sich dem Fachkräftemangel gezielt entgegenwirken. Great Place to Work betont die Bedeutung einer unterstützenden Unternehmenskultur.
Eine wertschätzende Führung trägt maßgeblich zur Motivation und langfristigen Bindung von Mitarbeitenden bei. Fehlende Anerkennung und hohe Belastung erhöhen dagegen das Risiko für psychische Erkrankungen und Ausfälle. Gesundheitsfördernde Maßnahmen unterstützen die Beschäftigungsfähigkeit über alle Altersgruppen hinweg. Unternehmen, die hier investieren, sichern sich langfristig Stabilität. Great Place to Work macht deutlich, dass gute Arbeitsbedingungen ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sind.
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