Kann der öffentliche Dienst ein „Great Place to Work“ sein? Wege zu mehr Arbeitgeberattraktivität

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Dr. Karsten Schulte-Deußen

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Wer an die Listen von Great Place To Work® denkt, hat oft Bilder von innovativen Tech-Unternehmen, hippen Start-ups oder weltbekannten Konzernen im Kopf. Tatsächlich finden sich dort weltweit nur vereinzelt Organisationen aus dem öffentlichen Dienst oder der öffentlichen Verwaltung – etwa einzelne Kommunen in Skandinavien, einige US-amerikanische Städte oder spezialisierte Behörden in Kanada und Australien. Aber warum eigentlich so selten? Und kann das anders werden?

Die Chancen des öffentlichen Diensts

  1. Sicherheit und Verlässlichkeit
    Der öffentliche Dienst bietet Stabilität – in Beschäftigungsform, Arbeitsbedingungen und langfristiger Planung. Gerade in Zeiten unsicherer Märkte ist das ein echter Pluspunkt.
  2. Sinn und Purpose
    Die Arbeit dient unmittelbar dem Gemeinwohl: Schulen, Sicherheit, Infrastruktur, soziale Dienste – hier trägt jede Aufgabe zu einer funktionierenden Gesellschaft bei. Das kann ein mächtiger Motivator und Treiber für Mitarbeiterzufriedenheit sein.
  3. Weiterbildung und Entwicklung
    Traditionell wird im öffentlichen Sektor stark in Weiterbildung investiert. Fachliche Qualifikation, Führungskräftetrainings und spezialisierte Lehrgänge sind oft umfangreicher als in vielen Unternehmen.
  4. Familienfreundlichkeit
    Flexible Teilzeitmodelle, Gleitzeit und großzügige Urlaubsregelungen – viele Verwaltungen haben hier strukturell gute Voraussetzungen, um Arbeit und Familie zu vereinbaren und somit einen großen Pluspunkt in Sachen Arbeitgeberattraktivität

Die Herausforderungen

  1. Starre Gehalts- und Beförderungssysteme
    Tarifverträge und Laufbahnvorschriften bieten zwar Fairness, erschweren aber die individuelle Anerkennung besonderer Leistungen und sind eine Gefahr für die Mitarbeiterzufriedenheit von Top-Performern.
  2. Unklare Zielbilder
    Während Unternehmen sich meist auf ein messbares wirtschaftliches Ziel einigen können, sind die Ziele in der Verwaltung oft vielfältig, komplex – und nicht immer eindeutig priorisiert.
  3. Öffentliche Skepsis bei „Extras“
    Wellness-Angebote, hochwertige Büros oder andere Fürsorge-Leistungen werden schnell unter dem Aspekt „Steuergeld-Verschwendung“ diskutiert. Das setzt Grenzen für Employer-Branding-Maßnahmen.
  4. Image-Herausforderung im Recruiting und in Sachen Arbeitgeberattraktivität

In Teilen der Öffentlichkeit gilt Verwaltung als „bürokratisch“ oder „verstaubt“ – selbst wenn intern längst moderne Prozesse laufen. Das erschwert die Gewinnung junger Talente. 

Die European Workforce Study, eine Befragung von Great Place To Work®, bei der in Deutschland rund 2.000 Mitarbeitende teilgenommen haben, zeigt exemplarisch die Herausforderungen des öffentlichen Dienstes:

Was es braucht

Damit die öffentliche Verwaltung öfter zu einem „Great Place to Work“ wird, braucht es vor allem:

  • Mut zur Modernisierung von Strukturen und Führungsmodellen
  • Bessere Kommunikation von Sinn und Zweck der Arbeit
  • Kulturelle Entwicklung, um Engagement zu belohnen und Talente zu halten
  • Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit, warum gute Arbeitsbedingungen auch im Staatsdienst wichtig sind

Fazit: Ja, es geht.

Die öffentliche Verwaltung kann ein großartiger Arbeitsplatz sein – wenn sie ihre Stärken offensiv nutzt und an ihren Schwächen konsequent arbeitet. Denn ein attraktiver öffentlicher Dienst ist nicht nur ein Vorteil für Mitarbeitende, sondern für die ganze Gesellschaft.

Behörden und öffentliche Einrichtungen können die Qualität ihrer Arbeitsbedingungen durch die Great Place To Work Certification™ über den Trust Index™ und Culture Brief™ unter Beweis stellen. Sofern sie im Rahmen einer vertraulichen Mitarbeiterbefragung bestimmte Kriterien (z. B. ausreichende Teilnahmequoten, ausreichend positives Feedback der Mitarbeitenden) erfüllen können sich glaubwürdig als zertifizierte, mitarbeiterfreundliche Arbeitgeber positionieren – analog zu Unternehmen. Die Zertifizierung (gültig 12 Monate) ermöglicht eine automatische Teilnahme an renommierten Beste Arbeitgeber-Rankings.

Wichtig zu wissen: Öffentliche Verwaltungen brauchen nicht unbedingt eine Mitarbeiterbefragung, die speziell für ihre Branche entwickelt wurde. Die Daten von Great Place To Work® und auch vielfältige Beispiele aus der Praxis zeigen, dass die Aspekte, die eine Organisation aus Sicht ihrer Mitarbeitenden zu sehr guten Arbeitgebern machen und Mitarbeiterzufriedenheit verbessern, ähnlich sind: Es geht um glaubwürdige Führung, Respekt und Fairness sowie einen guten Teamgeist.

Wichtig ist es außerdem, im Kontext einer Mitarbeiterbefragung ein angemessenes Erwartungsmanagement zu betreiben. Oftmals herrschen hier noch recht traditionelle Vorstellungen von Mitarbeiterbefragungen vor. Es wird erwartet, dass nach der Befragung sehr viel bewegt wird – etwa durch Workshops, in denen sich viele Mitarbeitende einbringen können – und sich kurzfristig deutliche Veränderungen einstellen. Im öffentlichen Dienst – wie in den meisten anderen Unternehmen auch – sind Kulturveränderungen ein langfristiger Prozess, bei dem durch regelmäßige Befragungen Entwicklungsimpulse gesetzt werden.

Einige Organisationen im öffentlichen Sektor zeigen, dass es geht

Deutschlandweit zeigen zahlreiche gemeinnützige und öffentlich orientierte Einrichtungen, dass eine exzellente Arbeitsplatzkultur auch im öffentlichen Sektor machbar ist. So wurden 2022 zum Beispiel die AWO-Bezirksverband Pfalz, BeWo Plus Jugendhilfe, educcare Bildungskitas, Evangelisches Diakoniekrankenhaus Freiburg, Franziska Schervier Altenhilfe oder die Kassenärztliche Vereinigung Hessen im Wettbewerb ‘Beste Arbeitgeber Gesundheit & Soziales’ ausgezeichnet.

Weitere überzeugende Vorbilder gibt es auch in Verwaltung und bei kommunalen Unternehmen. Etwa die ProPotsdam GmbH, die mehrfach als Great Place to Work ausgezeichnet wurde – zuletzt 2022 als bester Arbeitgeber in der Region Berlin-Brandenburg. Ein anderes Beispiel ist die AKDB, Bayerns kommunaler IT-Dienstleister, der 2024 die Great Place To Work®-Zertifizierung für seine gesamte Gruppe erhielt. Auch die GESOBAU AG, Berlins städtisches Wohnungsunternehmen, wurde 2025 erneut als ‚Great Place to Work‘ geehrt, mit hoher Mitarbeiterbeteiligung bei der Befragung. Und die Lecos GmbH, IT-Partner kommunaler Verwaltungen, gehört mit wiederholten Zertifizierungen seit 2019 zu den Vorreitern im Themenfeld Arbeitgeberkultur. Diese Beispiele belegen: Ob IT, Wohnungswirtschaft, Soziales oder Wirtschaftsförderung – in unterschiedlichen kommunalen Kontexten gibt es Vorbilder für sehr guter Arbeitgeber im öffentlichen Dienst.

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