Special Insights: Interviews mit ausgezeichneten Arbeitgebern

In unserer Interviewreihe „Special Insights“ lassen wir ausgezeichnete Arbeitgeber selbst zu Wort kommen. Hier teilen sie, was die Auszeichnung als Great Place To Work® für sie bedeutet, wie sie ihre Arbeitsplatzkultur gestalten und was sie ausmacht.

Die Unternehmen geben nicht nur Einblicke in ihre größten Erfolge und Herausforderungen, sondern auch in die Maßnahmen, die sie zu einem attraktiven Arbeitgeber machen. Neben zentralen Fragen zur Unternehmenskultur setzen die Teilnehmenden individuelle Schwerpunkte und berichten über Themen, die ihre Arbeitgebermarke besonders prägen.

Grafik Special Insights - Interviews mit ausgezeichneten Unternehmen

Special Insight Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Pfalz e.V.

Susanne Becker, Vorstand

1. Was bedeutet die Great Place To Work® Auszeichnung für Sie und wie nutzen Sie die Great Place To Work® Auszeichnung, um sich als Arbeitgeber zu positionieren?

Die Auszeichnung von Great Place To Work® ist für uns etwas ganz besonderes, da es das ehrliche Feedback unserer Mitarbeitenden ist, das uns diese Ergebnisse ermöglicht.

Sie verdeutlicht, dass die Arbeit, die wir jeden Tag von neuem in das Thema Arbeitsplatzkultur stecken, von den Mitarbeitenden gesehen und geschätzt wird. Sie ist ein Aushängeschild, dass die Zufriedenheit von Menschen in unserem Unternehmen im Vergleich zu denen an anderen Arbeitsplätzen auch für externe Interessierte sichtbar macht.

Es ist unser Ziel, gerade im Bereich Altenhilfe, der weitläufig keinen guten Ruf im Bezug auf Arbeitsbedingungen hat, ein Vorbild zu sein. Wir möchten Veränderungen schaffen und hierzu mit unseren Mitarbeitenden in ständigem Dialog sein. Die Auszeichnung zeigt uns, dass unsere Mitarbeitenden unser Interesse schätzen. Sie fühlen, dass wir alles uns Mögliche tun um die Arbeitsplatzkultur zu verbessern.
Die Auszeichnung ist daher für mich Anerkennung und Ansporn und in besonderer Weise ein Anlass zum Feiern.

2. Warum ist Ihr Unternehmen ein ausgezeichneter Arbeitgeber für Frauen?

Als Organisation, die von einer alleinerziehenden Mutter gegründet wurde, liegt uns die Unterstützung von Frauen besonders am Herzen. Mit einer Frauenquote von 84 Prozent beschäftigen wir überwiegend Mitarbeitende des weiblichen Geschlechts.

Unsere flexiblen Arbeitszeitmodelle passen sich an die verschiedenen Lebensphasen unserer Mitarbeitenden an. Mit einem Kinderbetreuungszuschuss von bis zu 250 € monatlich pro Kind bis zum 10. Lebensjahr schaffen wir echte Entlastung und ermöglichen eine frühere Rückkehr aus der Elternzeit.

Auch für pflegende Angehörige haben wir Lösungen entwickelt: Über unser Zeitwertkonto können zusätzliche Pflegezeiten genommen werden – ganz ohne finanzielle Einbußen.

Faire Entlohnung ist für uns selbstverständlich. Beim Thema Gehalt haben wir in den vergangenen Jahren richtig Gas gegeben. Innerhalb der letzten vier Jahre sind unsere Tabellenentgelte um 33 Prozent angehoben worden. 5,5 Prozent stehen jetzt für dieses und nächstes Jahr an. Außerdem wurden die Zulagen für Schichtarbeit und Arbeit am Wochenende drastisch erhöht. Für kurzfristige Dienstübernahmen gibt es zusätzliche Prämien – eine Maßnahme, die direkt aus den Wünschen unserer Belegschaft entstanden ist.

Eine wertschätzende Führungskultur prägt unser tägliches Miteinander. Durch unsere regelmäßige Teilnahme bei Great Place To Work® erhalten wir kontinuierliches Feedback, das wir gemeinsam im Team bearbeiten. Neue Führungskräfte begleiten wir intensiv bei ihrem Einstieg und sorgen so für einen nahtlosen Übergang.

Wertschätzung zeigt sich bei uns in unzähligen kleinen und großen Gesten. Von Mitarbeiterfesten und Betriebsausflügen über persönliche Gespräche und Geburtstagsgrüße bis hin zu kleinen Aufmerksamkeiten wie Eisgutscheinen oder Weihnachtspräsenten – diese vielen liebevollen Details schaffen eine Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen und gerne arbeiten.

3. Welche konkreten Programme hat Ihr Unternehmen umgesetzt, um die Aufstiegschancen von Frauen in Führungspositionen zu stärken?

Mit dem hohen Anteil an Frauen geht es vor allem darum, den Frauen die Wahrnehmung dieser Positionen zu ermöglichen. Die Sicherheit, dass ich mein Privatleben regeln kann auch wenn ich in Führung gehe, ist sehr wichtig.

Führungspositionen sind jedoch bei uns oft sogar flexibler in der Arbeitszeit als andere Jobs. So schaffen wir es aktuell 70% unserer Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Ein hoher Anteil unserer Führungskräfte ist bei uns in Führung gegangen. Sechs von sieben Einrichtungsleitungen in unseren stationären Einrichtungen haben wir in diese Position entwickelt.

Wir fördern die dafür nötigen Weiterbildungen. In jährlichen Kompetenzkompass-Gesprächen sprechen wir über die Eigen- und Fremdwahrnehmung von Kompetenzen. Wir sprechen im Jahresgespräch dann über Entwicklungsmöglichkeiten und die Möglichkeiten von Förderung. Gerade wenn es um Frauen geht, geht es um die Frage, inwieweit Weiterbildungen neben dem Job möglich sind oder wo wir freistellen können.

Ein weiteres Thema ist Führung in Teilzeit. Viele Menschen sind immer noch der Meinung, dass Führung automatisch einen Vollzeitjob bedeutet und das Verantwortung übernehmen in der Pflege immer heißt, ständig erreichbar sein zu müssen. Wir möchten hier andere Konzepte entwickeln. Neben klaren Strukturen und der Verteilung von Aufgaben und Zuständigkeiten muss sich auch das Unternehmen auf Teilzeitführungskräfte einstellen.

Um diesem Bedarf nachzukommen, führt die AWO Pfalz gemeinsam mit der AWO Rheinland ein ESF gefördertes Projekt zum Thema Führung in Teilzeit durch. Es betrifft überwiegend Frauen, die bei Beförderungen benachteiligt oder gehemmt sind, weil sie keinen vollen Stellenanteil zur Verfügung stellen können. Hier werden Führungskräfte direkt begleitet. Ergebnisse aus dem Projekt beeinflussen auch das Tagesgeschäft. Beispielsweise können wir keine Sitzungen über ganze Tage planen, wenn das bedeutet, dass eine Teilzeitkraft hierfür mit Anfahrt schon ihre halbe Wochenarbeitszeit aufwenden muss. Oftmals für Inhalte, die sie nur teilweise betreffen. Dies hat z.B. dazu geführt, dass wir unsere gesamte Sitzungsstruktur überarbeitet haben.

4. Wie gestaltet Ihr Unternehmen den Wiedereinstieg von Frauen nach der Elternzeit?

Die AWO Pfalz fördert den Einstieg von Frauen nach der Elternzeit. Zum einen ist eine Teilzeittätigkeit möglich (wir haben fast jedes Arbeitszeitmodell, das man sich vorstellen kann). Zum anderen bezahlt die AWO für die Betreuung von Kindern bis 10 Jahren Betreuungskosten bis zu 250 Euro pro Kind und Monat. Gemeinsam mit den Teams können wir für Frauen mit Betreuungszeiten andere Dienstzeiten anbieten, was in der Pflege eine echte Herausforderung darstellt. Durch die verschiedenen Einrichtungen im Verband haben Frauen nach der Elternzeit auch die Möglichkeit den Bereich oder die Einrichtung zu wechseln.

Die Anforderungen der Frauen sind dabei sehr verschieden. Manche arbeiten nur noch in der Nacht. Andere benötigen Arbeitszeiten während der Kita Öffnungszeiten. Da sich vieles in der Pflege rasant ändert, ist nach der Elternzeit zunächst eine Einarbeitung vorgesehen. Auch unser digitales Fortbildungstool unterstützt Frauen dabei, sich Wissen notfalls auch zuhause auf der Couch anzueignen, wenn das Kind schläft. Das bringt viel Flexibilität und die Arbeitszeit wird später gutgeschrieben.

Zum Thema Resilienz und Stressprävention gibt es spezielle Schulungsangebote durch die AWO Akademie, die sehr gut ankommen. Gerade in der Familienphase wird Stress oft auf die Arbeit übertragen. Frauen bekommen zu wenig Schlaf, haben wenig Struktur und das Gefühl keiner „Baustelle“ gerecht werden zu können. Für unseren Part stellen wir die maximale Struktur und geben Sicherheit. Sollten private Probleme zu viel werden gibt es bei uns kostenlose psychologische oder soziale Beratung. Bei unserem Gesundheitstelefon erhalten Mitarbeitende hierzu innerhalb eines Tages einen Termin bei einem Experten.

5. Wie geht Ihr Unternehmen mit unbewussten Vorurteilen (Unconscious Bias) im Recruiting und bei Beförderungen um?

Dadurch, dass die Pflege ein Arbeitsfeld ist, das sehr viele Frauen beschäftigt, stellt sich die Frage der Vorurteile bei uns nicht. Der überwiegende Teil unserer Beschäftigten ist weiblich – gleiches gilt für die Führungskräfte, die einstellen. Die Herausforderungen dieser Beschäftigtengruppe sind unser Tagesgeschäft und keine Ausnahme.

Es ist wichtig, dass beide Seiten ihre Anforderungen offen kommunizieren und klare Vereinbarungen treffen. Hierzu ermutigen wir unsere Führungskräfte ständig.

Viele der Leitungskräfte sind selbst Mütter mit kleinen Kindern – mich eingeschlossen oder pflegen Angehörige. Wir gehen damit maximal transparent um. Klar muss bei uns auch gearbeitet werden, aber es findet sich immer eine Lösung für Kollisionen zwischen Privatleben und Arbeit.

6. Welche Maßnahmen hat Ihr Unternehmen zur Förderung der Frauengesundheit etabliert?

Frauengesundheit umfasst ein breites Themenfeld. Wir haben ein großes Angebot zum Thema Gesundheitsförderung, welches auch Angebote speziell für Frauen beinhaltet.

Unterstützung für Frauen ist heute längst nicht mehr damit getan Hygieneartikel auf der Toilette zur Verfügung zu stellen. Das sollte sich von selbst verstehen. Wir haben unsere Mitarbeiterinnen gefragt und bieten seit einigen Jahren über Wellhub, ein breites Spektrum an Angeboten speziell für Frauen. Wellhub bietet günstige Abos für Fitness, Achtsamkeit, Therapie, Ernährung und Schlaf. Die AWO bezahlt dabei das Basispaket komplett, sodass viele Angebote für unsere Mitarbeiterinnen kostenlos zur Verfügung stehen. Die App bietet eine Komplettlösung mit Zugang zu Fitnesseinrichtungen an jedem Ort, Apps für mentales Wohlbefinden, Ernährungs-Apps, Apps für Zyklustracking, Meditation, Schlaf und gesunde Gewohnheiten, Live-Kurse, virtuelles Personal Training und individuelles Coaching und Workouts. Dabei bleiben die Mitarbeiterinnen flexibel – auch wenn Sie Pakete buchen. Jeden Monat kann das Abo individuell verändert und angepasst werden. Außerdem können bis zu drei Freunde oder Familienmitglieder ebenfalls die günstigen Konditionen nutzen – das spart Geld für die ganze Familie. Jede Frau kann ganz individuell entscheiden, welche Angebote sie nutzt. Für Frauengesundheit ist die Stressregulation super wichtig. Ob mir hier Sport, eine Massage, der Besuch in einer Therme oder Salzgrotte, Meditation oder ein Gespräch helfen – das kann jede Frau selbst entscheiden.

Am Arbeitsplatz selbst stellen wir eine Physiotherapeutin zur Verfügung. Sie ist mobil in unseren Einrichtungen unterwegs und bietet neben Massagen auch Behandlungen an, um bei akuten Beschwerden Abhilfe zu leisten oder einfach mal 30 Minuten auf der Liege zu relaxen. Das war mit eine unserer ersten Maßnahmen bei Great Place to Work und sie zählt immer noch zu den beliebtesten.

Frauen in den Wechseljahren leiden oft stärker unter Hitzewallungen und Schweißausbrüchen im Sommer, da die Hitze die Symptome verstärken kann. Wir stellen im Sommer spezielle kühlende Tücher, bringen Eis oder Melone auf die Bereiche und sorgen dafür, dass die Lieblingsgetränke der Mitarbeiterinnen kostenfrei bereitstehen. Außerdem waschen wir die Dienstkleidung, sodass dem Badeseebesuch nach Feierabend nichts mehr im Wege steht.

Ab Sommer stellen wir außerdem pro Mitarbeiter/in ein jährliches Gesundheitsbudget in Höhe von 300 Euro jährlich. Hiermit können z.B. über Privatrezept verordnete Medikamente und Supplemente aber auch kostenpflichtige Vorsorgeuntersuchungen oder zahnärztliche Leistungen wie eine Zahnschiene gegen Knirschen bei Stress u.v.m. bezahlt werden.

Da die Sehleistung sich oftmals beispielsweise in den Wechseljahren verschlechtert ist auch unsere finanzielle Unterstützung beim Brillenkauf ein oft genutzter Vorteil.

7. Wie fördern Sie eine Kultur, in der Diskriminierung, Sexismus und Mikroaggressionen aktiv adressiert und verhindert werden?

Die AWO Pfalz hat sich zum Thema Gewaltprävention breit aufgestellt. Neben diversen regelmäßigen Schulungen haben wir im Unternehmen bereits 120 Achtsamkeitsexperten ausgebildet. Dieses Jahr kommen 20 neue hinzu. Achtsamkeitsexperten erhalten eine 8-tägige Ausbildung zum Thema Gewaltprävention wobei wir Gewalt nicht nur als körperliche Handlung verstehen sondern bereits niederschwellige Aktionen hierunter zusammenfassen.

Gewalt entsteht immer dann, wenn wir gegen den Willen eines anderen Menschen handeln. Unachtsames Verhalten kann dabei ein über den Flur schreien sein oder die Verwendung von Anstaltsbegriffen in der Altenhilfe, wie beispielsweise „Speisesaal“, „füttern“ oder „Windeln“.

Alle Achtsamkeitsexperten und Führungskräfte sind geschult auf Frühwarnzeichen für gewalttätiges Verhalten. Das sind z.B. Persönlichkeitsveränderung bei einem Teammitglied, Rückzug und kühle Distanzierung, Flapsigkeit, Zynismus und Bitterkeit, Entwertende Witze, Verrohung im Kontakt, Grobheit. Die gefühlte (Arbeits-) Überlastung des Täters ist ein hoher Risikofaktor. Eine „normale“ Arbeitsbelastung garantiert folglich nicht den Schutz vor Gewalt.

Wichtig ist es uns gezielt bereits bei den Frühwarnzeichen anzusetzen und diese direkt zu adressieren. Hierauf sind die Achtsamkeitsexperten geschult und schulen jede Abteilung der Einrichtungen einmal jährlich individuell. Durch die hohe Aufmerksamkeit zum Thema haben „Täter“ keine Plattform – auch nicht für unachtsame Kommentare. Sie müssen bei uns sofort mit einem Gespräch rechnen und Mitarbeitende haben die Sicherheit, sollten Sie nicht weiterkommen, ein offenes Ohr bei ihren Führungskräften zu finden.

Wichtig ist es Soforthilfe als Ventil in Überforderungssituationen schaffen, Kollegiale Beratung zu etablieren, Überforderung, Druck, und Eskalationsprobleme zum Thema machen. Außerdem helfen regelmäßige Fallbesprechungen sowie Gesundheitsförderung und Stressbekämpfung.

Alle diese Themen gehen wir strukturiert an. Zusätzlich bieten wir unseren Führungskräften Coachingbudgets, damit sie ggf. schwierigere Situationen professionell bearbeiten können. Wir kommunizieren das Thema beim Mitarbeiterkennenlerntag und haben jedes Jahr einen Infostand auf der Mitarbeitendenmesse.

Damit wir bei der Beobachtung nicht selbst „betriebsblind“ werden, gibt es regelmäßige einrichtungsübergreifende Schattentage. Hierbei setzten sich Achtsamkeitsexperten einen Tag lang auf einen Bereich, wobei sie schnell nicht mehr wahrgenommen werden, und viele Beobachtungen dokumentieren können, die später besprochen und nachbearbeitet werden.

Im Arbeitskreis der Achtsamkeitsexperten und in den Leitungsrunden werden regelmäßig neue Projekte festgelegt, an denen die Kollegen*innen dann arbeiten. Hierbei geht es auch um Kommunikationsregeln aber auch um Themen wie Tischkultur oder Mimikresonanztraining.

Wir wissen, dass wir nicht alle Handlungen verhindern können. Allerdings hoffen wir mit unserer Kultur des Hinsehens und des offenen Angehens von schlechter Kommunikation dieser direkt einen Riegel vorzuschieben. Die Duldung von Diskriminierung, aus welchem Grund auch immer, verbietet sich bereits aufgrund unseres Leitbildes. Daher sind wir stolz, dass gerade der Grundwert der Toleranz bei unseren Mitarbeitenden immer als erstes genannt wird, wenn es darum geht, was uns als Verband ausmacht.

8. Wie unterstützen Sie Mitarbeitende dabei, emotional belastende Situationen gesund zu verarbeiten?

In einem Unternehmen der Altenhilfe gibt es für unsere Mitarbeitende vielerlei belastende Situationen. Das geht von Arbeitsbelastung bei Krankheitsausfällen von Kollegen*innen bis hin zum Thema Sterbebegleitung und Tod.

Wir haben hinsichtlich der fachlichen Begleitung unserer Mitarbeitenden viele Schulungsangebote. Das Verständnis für die Krankheit ist gerade in extremen Pflegesituationen wichtig, da es einen professionellen Umgang erst möglich macht. Diesen unterstützen wir auch mit Fallbesprechungen und im Bedarf mit Supervision. Außerdem holen wir uns Kooperationspartner ins Haus. Das können z.B. ein Wundmanager oder ein SAPV Team sein.

Für private Probleme, die Mitarbeitende oftmals noch mehr belasten als betriebliche, bieten wir eine professionelle und anonyme Beratung an. Das vermeidet lange Wartezeiten bei psychologischen, sozialen oder finanziellen Problemen und bietet schnelle Entlastung.

Aus unserer Sicht ist das Thema Dienstplansicherheit für Mitarbeitende in der Pflege eines der belastendsten. Immer wenn diese nicht gegeben ist, erfolgte früher üblicherweise ein Eingriff in die Freizeit der Mitarbeitende. Einspringen und kurzfristige Dienstpläne sind noch heute gängige Praxis in vielen Altenhilfeunternehmen.

Über unseren digitalen Dienstplan können die Mitarbeitenden ihre Wünsche via App oder am PC eingeben. Wir planen mindestens drei Monate im Voraus, sodass auch private Termine planbar werden. Bei Ausfällen greift der Flexiplan. Tourenpläne, die die Abläufe in der Pflege festlegen werden dann zusammengelegt und oder verschoben. Das gibt Sicherheit für die Mitarbeitenden.

Führungskräfte haben neben ihrem Coachingbudget die Möglichkeit in einem kollegialen Resonanzraum belastende Führungsthemen mit professioneller Begleitung zu bearbeiten. Das war ein Wunsch der Führungskräfte und wird seither in zwei Gruppen quartalsweise angeboten.

9. Welche Besonderheiten und aktuellen Herausforderungen Ihrer Branche beeinflussen Ihre Unternehmenskultur – und wie positionieren Sie sich dadurch als Arbeitgeber?

Ursprünglich ausgelöst durch gesetzliche Vorgaben befassen wir uns seit einiger Zeit mit einem Organisationsentwicklungsprozess. Geänderte Vorgaben zur Personalausstattung haben dazu geführt, dass die Organisation von Abläufen in der Pflege gänzlich neu gedacht werden muss.

Zusätzlich führt Personalmangel in der Branche dazu, dass diese Reorganisation für die Zukunft unabdingbar ist, um zum einen eine Versorgung der Kunden sicherzustellen und vor allem aber die Arbeitsbedingungen in der Pflege nachhaltig zu verbessern und den Beruf wieder attraktiver zu machen.

Wir möchten der Arbeitgeber sein, der Lösungen anbietet und attraktive Arbeitsbedingungen anbietet. Dieser Prozess ist gerade für unsere Führungskräfte eine Herausforderung. Zunächst haben wir jede Tätigkeit in der Pflege neu betrachtet und mit Zeiten hinterlegt. Es wurden Gespräche mit Kunden geführt, um zu klären, ob die Tätigkeiten nur aus Gewohnheit um eine gewisse Zeit verrichtet werden oder ob dies auch dem Wunsch der Kunden oder deren biografischen Gewohnheiten entspricht. Anschließend wurden alle Tätigkeiten neu strukturiert und außerdem danach verteilt, welches Qualifikationsniveau – also welcher Mitarbeiter bzw. welche Mitarbeiterin – die Tätigkeit ausführen soll. Hier ergab sich, dass für Fachkräfte tatsächlich nicht ausschließlich Fachkraftaufgaben vorhanden sind. Das bedeutet im Gegenzug, dass ein Ausfall nicht direkt kompensiert werden muss. Des Weiteren führte eine Priorisierung der Tätigkeiten nach muss, soll und kann dazu, dass im Fall von Ausfällen die Touren schnell und verlässlich umgestellt und reduziert werden können. Mitarbeitende haben so eine Sicherheit bezüglich ihrer Aufgaben und das Anrufen von Mitarbeitenden zum Kommen aus dem Frei kann drastisch reduziert werden.

Parallel führt die Einführung einer Dienstplanung, die mindestens drei Monate im Voraus geschrieben wird, dazu, dass Mitarbeitende ihre privaten Termine besser einplanen können.

Damit gehen wir als Arbeitgeber einen großen Schritt aus den Strukturen heraus, die die Altenpflege lange zu einer Branche gemacht haben, die wegen ihrer Arbeitsbedingungen als nicht attraktiv angesehen wurde.

Im Zuge der letzten Tarifverhandlung haben wir flankierend Schichtarbeit und Arbeit am Wochenende finanziell aufgewertet. Viele Mitarbeitende können wegen Kinderbetreuung nur eingeschränkt arbeiten. Durch die finanzielle Aufwertung der Zeiten, die nicht für alle attraktiv sind, haben wir trotzdem kein Problem z.B. Nachtzeiten oder Wochenenden personell zu besetzen. Oftmals haben wir sogar Bewerbungen von Menschen, die nur zu diesen Zeiten arbeiten möchten. Das nimmt den Druck von all jenen, die aufgrund von Familienphase o.ä. gerade nicht in der Lage sind, alle Dienste anzubieten.

Durch die regelmäßige Befragung unserer Mitarbeitenden bleiben wir außerdem im Dialog und können kontinuierlich Veränderungen bewirken. Zur Bearbeitung der vielen Vorschläge bezüglich Sozialleistungen und Benefits wurde eigens ein Arbeitskreis gegründet um Angebote schnell zu prüfen und ggf. zu implementieren.

Insgesamt erleben wir, dass wir durch unsere gute Arbeitsplatzkultur, die vielen Sozialleistungen und das gute Angebot bezüglich der Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf wenige Schwierigkeiten haben unsere Stellen zu besetzen. Viele unserer Mitarbeitende sind durch bestehendes Personal geworben worden.

Datum der Veröffentlichung: März 2025

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