Zwischen Effizienz und Menschlichkeit – Künstliche Intelligenz ersetzt keine Menschen, aber verändert alles!

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Julia Maskiera

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Die Arbeitswelt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Durch die weitreichende Digitalisierung wurde längst eine neue Ära eingeläutet: das dritte Maschinenzeitalter, geprägt von Künstlicher Intelligenz (KI), Automatisierung und kognitivem Kapitalismus. Professor Dr. Stephan Jansen, Wirtschaftswissenschaftler, Autor, Berater & Co-Gründer der „Agentur für konstruktive Wirtschaft (AKW)“, stellt auf dem Culture Connect Summit 2025 von Great Place To Work im September in Bonn seine klugen und provokanten Impulse zur Zukunft unserer Arbeit und Wirtschaft vor.

Die Perspektiven auf KI sind häufig mit der Vorstellung von einem Kahlschlag an Jobs verbunden. KI kann – so eine häufige Meinung – zahlreiche Tätigkeiten ersetzen, die gemeinhin als genuin menschlich gelten. Jansen beruft sich auf einschlägige Studien, um zu zeigen, dass die Auswirkungen von KI auf die Zukunft der Arbeit recht unterschiedlich sind. Er nennt zahlreiche, sehr unterschiedliche Berufe und Tätigkeiten, in denen eine sehr gute Performance von KI zu erwarten ist, zum Beispiel:

  • Junior-Positionen, bei der Arbeit mit KI braucht es Menschen mit Erfahrungen, „die nicht alles glauben, was bei Perplexität rauskommt“, und diese Informationen einordnen können
  • Software-Entwicklung und Coding
  • Marketing und Unterhaltung
  • Ärztliche Diagnosen und psychotherapeutische Interventionen
  • Arbeit, die von KI-ähnlichen Denkmustern geprägt ist, z.B. in der Finanzwirtschaft, Steuerberatung und Rechnungswesen

Die Stärke von KI sieht Jansen darin, repetitive Aufgaben zu übernehmen, Informationen schneller zu verarbeiten und sogar empathisch zu reagieren. Besonders im Kundenkontakt zeigt sich das Potenzial von KI im Unternehmen: Chatbots, virtuelle Assistenten und automatisierte Serviceprozesse sparen Zeit und verbessern die Kundenzufriedenheit.

Aber: Führungskräfte überschätzen oft die Zeitersparnis durch KI, weil sie selbst nicht aktiv mit ihr arbeiten. Produktivität entsteht nicht durch das bloße Einführen von Tools, sondern durch deren sinnvolle Integration in den Arbeitsalltag.

KI hat dem entsprechend auch negative Effekte, die Jansen wie folgt auf den Punkt bringt:

  • Verlust des „Wir-Gefühls“: KI fördert Effizienz, weniger die Teamkultur. KI macht Menschen zwar produktiver, aber nicht automatisch kooperativer.
  • Transformationsstress: Unsicherheit im Zwischenraum „nicht mehr“ und „noch nicht“ (alte vs. neue Arbeitsmodelle)
  • Rebound-Effekte: die Menge an Information, die selbst in kurzen Zeiträumen erstellt und dann wiederum verarbeitet, eingeordnet und bewertet werden muss, steigt um ein Vielfaches.

Wir müssen uns demnach nicht die Frage stellen: „Wer wird ersetzt?“
Sondern: „Wie arbeiten Mensch und Maschine zusammen?“
Jansen spricht sich für die Schaffung einer Arbeitswelt aus, bei dem Menschen und KI sich vernetzen, ergänzen und „ko-präsent“ agieren. Folgende drei Potentiale können aus der KI in der Arbeitswelt ausgeschöpft werden:

1. Arbeitsorganisation

Viele Unternehmen leiden unter Produktionsverlusten durch Ablenkung, Meetings und Tool-Chaos. KI kann helfen, diese Verluste zu minimieren – etwa durch intelligente Kalenderplanung, Priorisierung von Aufgaben, effizientes Protokollieren von Besprechungen oder automatisierte Informationssuche. Doch selbst mit KI bleibt eines entscheidend: Wir müssen unsere eigene Zeit bewusst strukturieren, klare Arbeitsmodi definieren und diese in unsere Kalender verplanen:

  • Deep Work für konzentriertes Arbeiten
  • Team Work für kollaborative Prozesse
  • Monkey Work für Routineaufgaben
  • Zeit für Führung
  • Me-Time für Regeneration (ungeplante Zeit zum Nichtstun)

2. Bessere Bildung

Die Auswirkungen von KI sind nicht gleich verteilt – sie steigen mit der Komplexität der Aufgaben und damit oft auch mit dem Gehalt. Je anspruchsvoller die Tätigkeit, desto stärker verändert sich das Anforderungsprofil. Berufe wie IT-Manager, Kardiologen oder Controller arbeiten bereits heute in Denkweisen, die stark an KI-Logik erinnern.

Um hier Schritt zu halten, reicht es nicht aus, lediglich neue Tools zu erklären. Wir brauchen eine Bildungsoffensive, die tiefer geht – eine, die Denk- und Arbeitsmuster verändert. Es geht darum, Menschen zu befähigen, kritisch zu reflektieren, kreativ zu kombinieren und KI als Partner zu nutzen, statt nur als Werkzeug.

Denn wie Prof. Dr. Stephan Jansen treffend formuliert: „Sowas kann man nicht trainieren, sondern nur üben.“ Lernen im KI-Zeitalter bedeutet kontinuierliches Ausprobieren, Anpassen und Hinterfragen – nicht starres Abarbeiten von Lehrplänen.

3. Hinterfragen als Schlüssel zur nachhaltigen KI-Nutzung

Der Einsatz von KI darf nicht zu blindem Automatisieren führen. Stattdessen braucht es eine Kultur des kritischen Hinterfragens: Welche Prozesse sind wirklich sinnvoll zu digitalisieren? Welche Tools schaffen echten Mehrwert und welche erzeugen nur digitale Bürokratie? Unternehmen sollten regelmäßig prüfen, ob ihre Arbeitsmodelle, Entscheidungswege und eingesetzten Technologien noch den strategischen Zielen dienen.

Das bedeutet:

  • Alles hinterfragen – von Arbeitsabläufen bis zu Tool-Auswahl.
  • Gegenstromprinzip leben – Entscheidungen sowohl Top-down als auch Bottom-up reflektieren.
  • Vertrauen statt Kontrolle – Die Einführung von KI sollte Vertrauen in Menschen und Prozesse fördern, statt Kontrolle und Überwachung zu verstärken, um Akzeptanz, Eigenverantwortung und Innovation zu ermöglichen.

Nur wer bereit ist, bestehende Strukturen infrage zu stellen, kann KI als echten Hebel für Innovation und Effizienz nutzen – statt in Rebound-Effekte zu geraten.

Fazit: KI ist kein Allheilmittel – aber ein mächtiges Werkzeug

Die Digitalisierung ist kein Zukunftsthema mehr, sondern das neue Normal. Wer KI sinnvoll einsetzt, kann nicht nur produktiver arbeiten, sondern auch resilienter, kreativer und menschlicher. Sie kann eine „digital metaverse“ als Arbeitswelt kreieren. Der Schlüssel liegt in der Balance zwischen Technologie und Teamgeist, zwischen Automatisierung und Achtsamkeit.

Die Digitalisierung ist kein Zukunftsthema mehr, sondern das neue Normal. Wer KI sinnvoll einsetzt, kann nicht nur produktiver arbeiten, sondern auch resilienter, kreativer und menschlicher. Sie kann eine „digital metaverse“ als Arbeitswelt kreieren. Der Schlüssel liegt in der Balance zwischen Technologie und Teamgeist, zwischen Automatisierung und Achtsamkeit.

Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus?

Der Arbeitsplatz der Zukunft ist geprägt von einer engen Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Künstliche Intelligenz übernimmt repetitive Aufgaben, während Menschen sich auf kreative, kollaborative und strategische Tätigkeiten konzentrieren. Es entstehen neue Arbeitsmodi wie „Deep Work“ oder „Me-Time“, die bewusst in den Alltag integriert werden. Der Fokus liegt auf Flexibilität, Effizienz und einer sinnvollen Strukturierung der Arbeitszeit.

Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz bei der digitalen Transformation der Arbeit?

Künstliche Intelligenz ist ein zentraler Treiber der digitalen Transformation und verändert Arbeitsprozesse grundlegend. Sie ermöglicht schnellere Informationsverarbeitung, automatisierte Abläufe und sogar empathische Reaktionen im Kundenkontakt. Gleichzeitig bringt sie Herausforderungen wie Transformationsstress und den Verlust von Teamgefühl mit sich. Die entscheidende Frage lautet nicht, wer ersetzt wird, sondern wie Mensch und Maschine kooperieren.

Wie kann man KI in der Arbeit nutzen?

Künstliche Intelligenz kann in drei Bereichen besonders effektiv eingesetzt werden: zur besseren Arbeitsorganisation, für eine tiefgreifende Bildungsoffensive und durch kritisches Hinterfragen bestehender Prozesse. Sie hilft bei der Priorisierung von Aufgaben, unterstützt komplexe Denkprozesse und fördert eine reflektierte Nutzung digitaler Tools. Voraussetzung für nachhaltige Nutzung ist eine Kultur des Vertrauens und der Offenheit gegenüber Veränderungen.

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